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Seit 2013 sind wir regelmäßig im April zu Gast in Dresden. Genauer gesagt, zu Gast beim Oberelbemarathon. Bisher zwar noch nicht auf der Marathonstrecke, aber die Halbmarathonstrecke kennen wir mittlerweile sehr gut. Alle, die überlegen, ob sich dafür die Reise lohnt, sollten einfach weiterlesen, denn ich habe die Veranstaltung mal unter die Lupe genommen.

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 Gelaufen wird immer am letzten Sonntag im April. Wettertechnisch sind wir da völlig auf der unsicheren Seite. Wir sind schon bei 6°C und Regen gelaufen, aber auch schon bei >20°C und wolkenlosem Himmel. In diesem Jahr schien das Wetter fast perfekt, denn wir starteten zwar recht frisch, dafür wolkenlos und mit Rückenwind. Den ganzen Tag war keine Wolke zu sehen, aber es wurde nicht zu heiß.

 

Seit einigen Jahren gibt es die "Heckscheibenaufkleber-Aktion", bei der man einen Teil vom Startgeld zurück bekommt, wenn man nachweislich mit dem Aufkleber durch die Gegend fährt. Mittlerweile fahre ich den aus Überzeugung spazieren, einfach weil ich den OEM sehr mag. Immerhin bin ich hier meinen ersten Halbmarathon gelaufen.

Marathonmesse und Startunterlagen

Die Marathonmesse und die Ausgabe der Startunterlagen erfolgt jeweils am Freitag und Samstag vor dem Lauftag im Atrium des World Trade Centers mitten in Dresden. Die Messe ist zwar nicht sehr groß und daher überschaubar, trotzdem immer einen Besuch wert. Für Läufer, denen es nicht möglich ist, sich die Startunterlagen selbst abzuholen, gibt es die Möglichkeit einer Zusendung dieser oder die Verbringung zum Startort, was beides allerdings mit Extrakosten verbunden ist. Mit seiner Startnummer bekommt man einen Starterbeutel, auf den sogleich die Gepäcknummer aufgebracht wird, so dass man damit am Lauftag keinen Stress mehr hat. Im Beutel befinden sich neben etlichen Flyern auch immer ein Gelchip und eine Probe Duschgel, was man am Lauftag sowieso benötigt. Der VVO als namensgebender Sponsor ist auch auf der Messe mit einem Stand vertreten und beantwortet alle Fragen zum Transfer am Lauftag.

Transfer

Die Startnummer gilt am Lauftag innerhalb des Verbundraumes des VVO als Fahrschein. Alle 21,1- und 42,2km - Läufer kommen am bequemsten mit der S-Bahn von Dresden aus zum Startpunkt, da beide Starts in unmittelbarer Nähe zu einem Haltepunkt liegen. Also entfällt auch die Parkplatzsuche, zumal man ja keine Runde läuft und das Auto im ungünstigsten Fall 42km elbaufwärts steht. So kann man sich am Lauftag morgens ganz stressfrei in die S-Bahn setzen und sich zum Start bringen lassen. Um wirklich alle Läufer transportieren zu können (immerhin ~2200 halbe und ~1300 ganze), setzt die Bahn Sonderzüge ein. Von den Haltepunkten aus ist der Weg zum Start dann zusätzlich ausgeschildert. Verlaufen unmöglich. An jedem Start stehen ein oder mehrere LKWs bereit, in denen man seinen Starterbeutel abgeben kann. Diese werden dann zum Zielgelände transportiert. Das funktioniert einwandfrei.

Strecke

Streckentechnisch ist für wirklich jeden etwas dabei. Der Nachwuchs kann sich auf der 2,7km Minimarathonstrecke messen. Aufgrund großer Nachfrage gibt es seit diesem Jahr eine 5km Strecke. Und was natürlich nicht fehlen darf, sind die Läufe über 10km, 21,1km und über die Königsstrecke, die 42,195km. Während die Minimarathonis vom Zielgelände aus eine Runde drehen, starten die anderen 4 Läufe von unterschiedlich weit entfernten Startpunkten und enden alle im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion. Das erfordert eine große logistische Leistung des Organisationsteams rund um den Org-Chef Uwe Sonntag, den man trotz vollem Terminkalender z.Bsp. auf der Berliner Marathonmesse persönlich trifft.

Der Marathon startet unterhalb der Festung Königstein auf dem Elberadweg und folgt diesem, vorbei am Kurort Rathen mit Blick auf die Bastei, durch Wehlen und Pirna. Kurz hinter Pirna befindet sich der Start des Halbmarathons. Da beide Strecken etwa zeitgleich starten, kommen sich die Läufer an dieser Stelle nicht ins Gehege. (Das passiert dann erst in Dresden, wenn die schnellsten Marathonis die langsamen Halbmarathonis (aka mich) überholen).

Die Sonne im Rücken und die Elbe zur Rechten geht es für alle weiter vorbei an Heidenau Richtung Dresden durch das schöne Elbtal. Landschaftlich ist das wirklich ein Genuss. Anders als bei Stadtläufen sind die Zuschauer natürlich eher rar. Dennoch gibt es immer wieder Hotspots, wo einiges los ist oder einzelne Spaziergänger stehen anfeuernd am Wegesrand und klatschen jedem Läufer motivierend zu. In regelmäßigen Abständen stehen auch die vielen freiwilligen Streckenposten, von denen einige auch jeden Läufer motivieren und andere wenige einfach nur ihren Streckenpostenjob machen. Aber auch denen gehört mein Dank.

Nach 35 bzw 14km passiert man dann endlich die erste Ebbrücke - das blaue Wunder. Für mich als halben ist das immer der erste Orientierungspunkt, denn bereits ab KM 11 ist sie sichtbar.

Direkt unter dem blauen Wunder befindet sich der Start des 10km-Laufes, weshalb dort auch einer der Hotspots ist, was das Publikum angeht. Zudem findet man hier auch eine der zahleichen und gut bestückten Verpflegungsstationen. Von Beginn an gibt es neben Wasser, Tee, Iso und Cola, auch Äpfel, Bananen und Fruchtschnitten. Unter den Helfern an den Verpflegungsständen sind auch immer wieder Kinder, die neben Becher in die Hand auch Becher über den Kopf anbieten. Auch das habe ich dieses Jahr aufgrund des Wetters mitgenommen.

Hinter der nächsten (langgezogenen) Kurve kommt dann auch schon Brücke Nummer 2 - die Waldschlösschenbrücke in Sichtweite, welche seit diesem Jahr auch Startpunkt des 5km-Laufes ist. Wenn man einmal in Dresden ist, ist der Elberadweg auch frequentierter und man bekommt vermehrt Motivation durch Anwohner und Menschen am Streckenrand. Viele Anwohner sorgen mit lauter Musik auch für etwas Unterhaltung zwischendrin und die Kinder freuen sich immer, wenn man sich die Zeit nimmt, um die hingehaltenen Hände abzuklatschen. Ehrensache!

Auf der anderen Elbseite passiert man auch die Elbschlösser Pillnitz, Eckberg und Albrechtsberg - nicht verpassen!

Und nach einer gefühlten Ewigkeit (je nachdem, wie langsam man läuft) - biegt man dann endlich auf die "Zielgerade ein". Und damit meine ich die Gerade, auf der man endlich auf die Altstadt zuläuft und eine Brücke nach der nächsten durchläuft.

 

Und spätestens,wenn man unterhalb der Carolabrücke den Elberadweg verlässt und aufs Terrassenufer einbiegt, läuft es. Weil hier herrscht einfach mal Leben. Nicht unbedingt, weil die Menschen ausschließlich wegen den Läufern unterwegs sind - nein, meistens sind es Touristen, die ihren Elbdampfer besteigen, aber sie machen durchaus Stimmung (oder fragen sich, was hier eigentlich los ist). Knapp 2km vor dem Ziel gibt es einen letzten Verpflegungspunkt mit Musik und Moderation, um noch einmal die letzten Kräfte zu mobilisieren.

Ach, und hier kommen dann auch regelmäßig die schnellen Marathonläufer und überholen mich. ;) Hinter dem Landtag verläuft die Strecke dann nochmals auf dem Elberadweg, bevor sie die Marienbrücke durchläuft. Und dann nur noch hinein ins Stadion und dort noch eine halbe Runde gedreht, bevor man im Ziel ist.

Auf dem Zielgelände im Stadion ist an diesem Tag für jeden etwas dabei. Natürlich gibt es Versorgungsstände mit Getränken für die Läufer. Diese bekommen auch ein alkoholfreies Bier und Pasta nach dem Lauf. Alle anderen müssen aber nicht hungern - nur selber zahlen. Und auch den Kindern wird durch Hüpfburgen und Co. nicht langweilig. Urkundendruck und Medaillengravur ist vor Ort möglich.

Gepäckausgabe und Duschen

Etwa 300m entfernt vom Heinz-Steyer-Stadion befindet sich die Eissporthalle, in der man sich sein Gepäck abholen und auch duschen gehen kann. Die Organisation dessen kann man wirklich nicht beanstanden. Und wenn man so langsam ist wie ich, hat man sogar die Dusche fast für sich alleine. (So als Geheimtip ;) ) Und falls man dann noch mit der S-Bahn wieder nach Hause will oder muss, ist auch der Bahnhof nur mehr 500m entfernt. Also unbedingt die Startnummer aufheben, denn die gilt natürlich auch am Nachmittag noch als Fahrkarte.

Ich kann den OEM wirklich sehr empfehlen und ich gehe stark davon aus, dass er auch in den kommenden Jahren fest in unsere Saison integriert ist. Irgendwann werde ich mir die Strecke auch mal in seiner ganzen 42km langen Schönheit anschauen. Aber vielleicht erst, wenn ich etwas schneller bin. Obwohl eine Zielzeit von (laut Ausschreibung) 5:45h selbst für mich locker machbar ist...